
0525 Krematorium Olten
Der Wunsch, die eigenen Toten dem Feuer zu übergeben, ist alt – in Olten erhielt er 1916/17 seinen baulichen Ort. Am Rand der Stadt entstand mit dem Friedhof Meisenhard das städtische Krematorium Olten, ein Bau, der die damals noch junge Idee der Feuerbestattung in Stein und Form fasste. Die Oltner Architekten Arnold von Arx und Walter Real errichteten 1917 die Abdankungshalle im Jugendstil und erweiterten sie 1932 um ein Kolumbarium. Was seither gewachsen ist, trägt die Handschrift verschiedener Zeiten: 1947 setzte Johann Schüepp die bis heute prägenden, symmetrischen Annexbauten – der tiefste Einschnitt in eine Substanz, die sich seit ihrer Gründung immer wieder verändert, nie aber ihre ursprüngliche Bestimmung verloren hat.
Projektinformation
offenes Planerwahlverfahren | 1. Rang
Bauherrschaft | Stadt Olten
2024 - 2026
Bauingenieur | Grimbichler Bauingenieure GmbH
Heizungsingenieur | Brunner Engineering AG
Elektroingenieur | Aare Elektroplan AG
Lüftungsingenieur | Eicher Pauli
Kälteplanung | SPP Kälteplaner AG
Sanitäringenieur | Aeschlimann Engineering AG
Ofenplanung | S&A Engineering AG
Farbgestaltung | Maria Bazzicalupo & Rita Weder











Die Sanierung schreibt an dieser geschichteten Bautätigkeit weiter, statt sie zu glätten. Nicht eine Epoche gibt den Ton an – Jugendstil, Zwischenkriegserweiterung und Nachkriegsannex bleiben nebeneinander lesbar, verknüpft durch eine Materialisierung, die vermittelt statt vereinheitlicht. Im Zentrum steht der Mensch, in seinen drei Rollen: als Angehöriger, der Abschied nimmt; als Mitarbeitender, der das Haus am Laufen hält; als Verstorbener, dem der Bau zuletzt gehört. Farbe und Material folgen dieser Dreiteilung unmittelbar – zurückhaltend, fast still, wo getrauert wird; klar und robust, wo gearbeitet wird. Die Räume selbst werden so zu Übergängen: von aussen nach innen, von den Lebenden zu den Toten, von einer Zeitschicht zur nächsten.
In der Materialität selbst findet sich eine Abstufung von Intimität. Korridore und Arbeitsräume müssen neben ihren räumlichen Qualitäten vor allem Funktionen erfüllen; ihre Materialisierung strahlt deshalb Robustheit und Langlebigkeit aus, so wie sie diese auch tatsächlich zu leisten hat. Anders in jenen Räumen, zu denen Trauernde und Begleitende Zutritt haben: Hier verändert sich diese Welt. Das Licht öffnet unterschiedliche atmosphärische Register, die Wände sind mit einer textilen Tapete bespannt – eine bewusste Referenz an die Krematorien der 1920er-Jahre in Aarau und Zürich. Als einziges Element in Holz liegt der dunkle, schwarz gebeizte Katafalk mittig im Raum. Volumetrisch wie farblich bildet er ein unaufgeregtes Zentrum – und versprüht, allein durch seine Dunkelheit, so etwas wie Geborgenheit.





